o.T. - Gotthard Graubner VG Bild-Kunst, Bonn, 2026, Mick Vincenz, Essen

o.T.

„Ich benutze Farbe nicht als Illustration von literarischen Themen, Farbe ist mir selbst Thema genug.“
– Gotthard Graubner

Gotthard Graubner (*1930 in Erlbach im Vogtland; †2013 in Düsseldorf) kam 1954 nach Düsseldorf und studierte bis 1959 an der Kunstakademie bei Georg Meistermann und Karl Otto Götz. Die Begegnung mit diesen beiden sehr unterschiedlichen Malern wurde für seine Entwicklung wesentlich: Meistermanns Auseinandersetzung mit Farbe und Raum und Götz’ informelle Malerei bildeten wichtige Ausgangspunkte für Graubners eigene Suche nach einer autonomen Bildsprache. Nach einer Professur an der Hochschule für bildende Künste Hamburg kehrte er 1976 als Professor für Freie Malerei an die Düsseldorfer Akademie zurück und lehrte dort bis 1998. Damit wurde aus dem Schüler selbst ein prägender Lehrer einer jüngeren Generation.

Graubner machte die Farbe zum eigentlichen Gegenstand der Malerei. Seine sogenannten Kissen- und späteren Farbraumkörper lösen das Bild von der flachen Wand und geben der Farbe eine eigene körperliche Präsenz. Auf mit Perlon überspannten, gepolsterten Bildträgern trägt er Farbe in vielen Schichten auf, sodass sie zu leuchten scheint und sich zugleich in einem schwer bestimmbaren Raum verliert. Die Bilder verlangen keine schnelle Lektüre; sie entfalten ihre Wirkung über das langsame Sehen. Farbe wird bei Graubner nicht zur Beschreibung von etwas anderem – sie wird selbst zu Raum, Licht und Erfahrung. Die Kunstakademie Düsseldorf bezeichnete ihn deshalb rückblickend als einen der herausragenden Koloristen seiner Generation.

Graubners Werk wurde international ausgestellt und war unter anderem auf der documenta sowie 1982 im Deutschen Pavillon der Biennale di Venezia vertreten. In den 1980er-Jahren entstanden großformatige Farbraumkörper für den Amtssitz des Bundespräsidenten in Schloss Bellevue; 1987 erhielt er den August-Macke-Preis, 1988 den Norddeutschen Kunstpreis und 1992 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Nach seiner Emeritierung blieb Graubner Düsseldorf eng verbunden und arbeitete später auch auf der Museumsinsel Hombroich, wo ihm 1996 ein eigenes Atelierhaus errichtet wurde. 2009 wurde er zum Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf ernannt.

Zitat nach: Sommer, Caroline: „Man muss schauen“, in: Gotthard Graubner. Farblicht, hrsg. von Veit Görner und Caroline Sommer, Ausst. Kat. Kestner Gesellschaft, Hannover 2003, S. 29

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