Fördertürme Typologie (Grube Füsseberg, Biersdorf, Siegerland, D 1961) - Bernd & Hilla Becher Estate Bernd & Hilla Becher, represented by Max Becher für das Werk von Bernd & Hilla Becher, Mick Vincenz

Fördertürme Typologie (Grube Füsseberg, Biersdorf, Siegerland, D 1961)

Ausstellungen:

30.06.2024 – 08.09.2024
reflections.
Positionen aus der National-Bank Sammlung
Ludwig Museum im Deutschherrenhaus, Koblenz

Auszug E-Mail (10.12.2017 von Ulla Wiegand, Konrad Fischer Galerie, an Dr. Thomas A. Lange)
„[Beide] Werke wurden von Bernd & Hilla Becher für die große Retrospektive TYPOLOGIEN 2003/2004 entworfen, die zunächst im Ständehaus der Kunstsammlung NRW gezeigt wurde und dann weitere Stationen im Haus der Kunst, München, Centre Georges Pompidou, Paris und dem Deutschen Centrum für Photographie im Hamburger Bahnhof, Berlin gezeigt. Abbildungen beider Werke finden sich in dem begleitenden Katalog auf den Tafeln 51 und 52. Gern sende ich Ihnen dieses Standardwerk zu Bernd & Hilla Becher in den nächsten Tagen zu.“

Literatur:

– Seite 30 –
Ausst. Kat.: reflections.
Positionen aus der National-Bank Sammlung
Hrg. Beate Reifenscheid
Wienand Verlag, Köln
2024
ISBN 978-3-86832-800-4

„Denn was wir tun, ist letztlich Geschichten erzählen, und zwar, indem wir Dinge präsentieren, die ihre eigene Geschichte erzählen.“
– Bernd Becher

Bernd Becher (*1931 in Siegen; †2007 in Rostock) und Hilla Becher (*1934 in Potsdam; †2015 in Düsseldorf) lernten sich 1957 an der Kunstakademie Düsseldorf kennen und begannen wenig später, gemeinsam Industriebauten zu fotografieren. Bernd studierte zunächst freie Grafik in Stuttgart und anschließend Typografie an der Düsseldorfer Akademie; Hilla brachte eine abgeschlossene Ausbildung als Fotografin und ihre praktische Erfahrung mit großformatiger Architekturfotografie ein. Aus dieser Verbindung entwickelte sich eine der konsequentesten künstlerischen Partnerschaften der deutschen Nachkriegszeit. 1976 wurde Bernd Becher als erster Professor für künstlerische Fotografie an die Düsseldorfer Akademie berufen. Hilla hatte dort zwar keine offizielle Professur, lehrte jedoch gemeinsam mit ihrem Mann und prägte die Klasse entscheidend mit. Aus dieser Zusammenarbeit ging die sogenannte Düsseldorfer Photoschule hervor, zu deren Schülern unter anderem Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth gehörten.

Im Zentrum ihres Werkes stehen industrielle Zweckbauten – Wassertürme, Hochöfen, Gasbehälter, Fördertürme oder Kühltürme –, die sie mit großer technischer Präzision und unter möglichst neutralen Bedingungen fotografierten. Die Schwarzweißaufnahmen lösen die Bauwerke aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und machen ihre Formen vergleichbar. In den als Typologien angelegten Tableaus tritt dadurch etwas hervor, das im einzelnen Bild leicht verborgen bleibt: die erstaunliche Vielfalt innerhalb des scheinbar Gleichen. Die Bechers nannten ihre Motive „Anonyme Skulpturen“ und verschoben damit den Blick auf eine Architektur, die ursprünglich ausschließlich funktionalen Zwecken diente. Ihre Fotografien sind zugleich Dokumentation und eigenständige Bildkunst; sie bewahren eine industrielle Welt, die vielerorts längst verschwunden ist, und machen aus technischen Konstruktionen präzise Studien über Form, Wiederholung und Variation.

Die Wirkung der Bechers reicht weit über die Fotografie hinaus. 1990 erhielten sie auf der Biennale von Venedig den Goldenen Löwen für Skulptur, 1994 den Kaiserring der Stadt Goslar, 2001 den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen und 2002 den Erasmuspreis; 2004 folgte der Hasselblad Award. Ihr vielleicht nachhaltigste Vermächtnis liegt jedoch in Düsseldorf: Mit ihrer Klasse machten sie die Fotografie zu einem selbstverständlichen Medium der zeitgenössischen Kunst und prägten mehrere Generationen von Künstlerinnen und Künstlern. So entstand aus einer gemeinsamen Beschäftigung mit scheinbar nüchternen Industriebauten eine Schule des Sehens, deren Einfluss bis heute spürbar ist.

Zitat aus: Bernd Becher im Interview mit Michael Köhler, 1989, Künstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 7, München, S. 14 f.

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