First Person - Tony Cragg VG Bild-Kunst, Bonn, 2025, Mick Vincenz, Essen

First Person

Ausstellungen:

11.06.2021 – 22.08.2021
Einblicke – Kunst aus der National-Bank
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg

17.09.2021 – 27.11.2021
Arte de la colección del National-Bank
CCA Andratx, Art Contemporani, Andratx de Mallorca, Spanien

30.06.2024 – 08.09.2024
reflections.
Positionen aus der National-Bank Sammlung
Ludwig Museum im Deutschherrenhaus, Koblenz

Literatur:

– Seite 83 und Seite 84-85 –
Ausst. Kat.: Einblicke – Kunst aus der National-Bank
Hrsg. Walter Smerling
Wienand Verlag, Köln
2021
ISBN 978-3-86832-641-3

– Seite 51 und Seite 52-53 –
Ausst. Kat.: reflections.
Positionen aus der National-Bank Sammlung
Hrg. Beate Reifenscheid
Wienand Verlag, Köln
2024
ISBN 978-3-86832-800-4

„Ich möchte Werke schaffen, die dieselbe intensive Wirkung ausstrahlen, die ich empfinde, wenn ich die Natur betrachte.“
– Tony Cragg

Tony Cragg (*1949 in Liverpool) gehört zu den international prägenden Bildhauern seiner Generation und ist seit 1977 eng mit Wuppertal verbunden. Nach seinem Studium an der Wimbledon School of Art und am Royal College of Art in London zog er nach Deutschland und begann bereits 1978 an der Kunstakademie Düsseldorf zu lehren. Anders als viele Künstler seiner Generation ist Cragg damit nicht Schüler, sondern Lehrer der Düsseldorfer Akademie: Von 1988 bis 2001 war er dort Professor, kehrte 2006 auf eine Professur zurück und übernahm von 2009 bis 2013 das Amt des Rektors. Seine Haltung gegenüber der Akademie war dabei weniger von einer bestimmten Schule als von der Überzeugung geprägt, Künstler zu einer eigenen, unabhängigen Arbeitsweise zu führen.

Craggs Skulpturen beginnen mit einem ebenso einfachen wie grundsätzlichen Gedanken: Was kann Material sein, bevor es zu etwas Bekanntem wird? Ob Holz, Stein, Bronze, Stahl oder Kunststoff – seine Materialien werden nicht bloß geformt, sondern scheinen ihre eigene Logik zu entwickeln. Aus Alltagsgegenständen, Gefäßen und organischen Formen entstehen komplexe Körper, in denen Innen und Außen, Volumen und Oberfläche, Bewegung und Stabilität ständig neu austariert werden. Besonders charakteristisch sind seine „Early Forms“, in denen vertraute Gegenstände wie Gefäße oder Behälter in neue, teilweise biomorphe Formen überführt werden. Cragg interessiert dabei weniger die Nachahmung der Natur als die Möglichkeit, durch Skulptur unsere Wahrnehmung der materiellen Welt zu erweitern. „Sculpture is a new reality“, sagt er – und beschreibt damit ziemlich genau seinen Anspruch: Skulptur soll nicht etwas darstellen, sondern selbst eine neue Wirklichkeit hervorbringen.

Cragg wurde 1988 mit dem Turner Prize ausgezeichnet und vertrat Großbritannien im selben Jahr auf der Biennale von Venedig. 2007 erhielt er den Praemium Imperiale für Skulptur, 2012 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und den Cologne Fine Art Award. In Wuppertal gründete er 2008 den Skulpturenpark Waldfrieden, der heute zu den wichtigsten Orten für zeitgenössische Skulptur in Deutschland gehört. Seine enge Verbindung zu Düsseldorf und dem Bergischen Land ist damit weit mehr als eine biografische Randnotiz: Cragg hat das Umfeld der Düsseldorfer Akademie über Jahrzehnte als Lehrer und Rektor geprägt und zugleich in Wuppertal einen eigenen Ort geschaffen, an dem sich seine Vorstellung von Skulptur als fortwährender Untersuchung der materiellen Welt unmittelbar erfahren lässt.

Zitat aus: Ausst. Kat.: reflections. Positionen aus der National-Bank Sammlung, Hrsg. Beate Reifenscheid, Wienand Verlag, Köln, 2024, S. 52

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