„Das Erleben im Leben ist nicht nur Motivation, sondern auch Ziel meines Schaffens. Mich treibt die Lust, gestalten zu wollen. Und das schon seit meiner Kindheit.“
– Ulrich Erben
Ulrich Erben (*1940 in Düsseldorf) zählt zu den bedeutendsten deutschen Vertretern der Farbfeldmalerei und der Neuen Konkreten Kunst. Von 1958 bis 1965 studierte er an Kunstakademien in Hamburg, Urbino, Venedig, München und Berlin und setzte sich bereits früh mit Landschaft, Architektur und der Wirkung von Farbe auseinander. Nach einem längeren Aufenthalt in New York begann er Ende der 1960er Jahre, die gegenständliche Landschaft zunehmend auf ihre elementaren Bestandteile zu reduzieren. 1968 entstanden seine ersten weißen Bilder, mit denen er international auf sich aufmerksam machte und die 1977 auf der documenta VI gezeigt wurden. 1980 wurde Erben als Professor für Malerei an die Kunstakademie Düsseldorf, Abteilung Münster, berufen; bis 2005 prägte er dort eine Generation jüngerer Malerinnen und Maler. Erben lebt und arbeitet in Düsseldorf, Goch und Bagnoregio in Italien.
Im Zentrum seines Werkes steht dieFarbe als eigenständige Wirklichkeit. In den frühen weißen Bildern löst Erben die Landschaft beinahe vollständig auf: Unterschiedliche Weißtöne, feinste Lasuren und kaum wahrnehmbare Übergänge erzeugen innerhalb der scheinbar monochromen Fläche subtile räumliche Verschiebungen. Später treten klare geometrische Felder und reine Farben hinzu, ohne dass die grundsätzliche Fragestellung sich verändert. Form, Linie und Raum entstehen bei Erben aus der Wirkung der Farbe selbst. Seine Bilder sind deshalb auf den ersten Blick von großer Einfachheit, entwickeln ihre eigentliche Komplexität jedoch erst bei längerem Betrachten. Farbflächen scheinen sich nach vorne oder hinten zu bewegen, Grenzen werden gleichzeitig als Trennung und Verbindung erfahrbar. Erben beschreibt diese Räumlichkeit als „schwebend“ und „sphärisch“ – ein Raum, der nicht perspektivisch konstruiert wird, sondern aus der Wechselwirkung der Farben entsteht.
Dabei bleibt die Erinnerung an Landschaft ein wesentlicher Ausgangspunkt seiner Malerei. Der Niederrhein und die italienische Landschaft bilden keine konkreten Motive mehr, sondern verdichten sich zu Horizonten, Lichtstimmungen und Farberfahrungen. In Werkgruppen wie Farben der Erinnerung, Siria oder Festlegung des Unbegrenzten wird diese Verbindung von Wahrnehmung und Abstraktion immer weitergeführt. Besonders die späteren Arbeiten reduzieren die formalen Mittel nochmals, während feinste Farbübergänge eine beinahe immaterielle Bewegung erzeugen. Farbe wird dabei weder als Dekoration noch als bloßer Bildbestandteil verstanden, sondern als Kraft, die Licht und Raum hervorbringt. So entsteht eine Malerei zwischen Kalkül und Empfindung, Geometrie und Natur, Begrenzung und Weite. Gerade darin liegt Erbens besondere Qualität: Seine Bilder wollen Landschaft nicht darstellen, sondern die Erfahrung von Landschaft in Farbe übersetzen – und damit einen Raum eröffnen, der zugleich konkret sichtbar und nur in der Wahrnehmung existent ist.