„Ein Künstler ist kein Kopf voller Ölfarben, die er mit sich rumschwappt.“
– Jörg Immendorff
Jörg Immendorff (*1945 in Bleckede; †2007 in Düsseldorf) studierte von 1963 bis 1969 an der Kunstakademie Düsseldorf, zunächst bei Theo Otto und anschließend bei Joseph Beuys. Die Begegnung mit Beuys wurde für Immendorff prägend: Kunst sollte sich nicht in der autonomen Bildwelt erschöpfen, sondern Stellung beziehen und gesellschaftliche Wirklichkeit berühren. Aus dieser Haltung entwickelte Immendorff eine dezidiert politische Malerei, die sich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte und insbesondere mit der Teilung des Landes auseinandersetzte. Später kehrte er selbst als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf zurück und wurde damit vom Schüler zum Lehrer einer nachfolgenden Generation.
Mit dem Zyklus Café Deutschland, der ab 1977 entstand, fand Immendorff zu seinem wohl bekanntesten Bildmotiv. Die imaginäre Bar wird zum Schauplatz eines geteilten Landes: Politiker, Künstler, historische Figuren und Alter Egos des Malers treffen aufeinander, während Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart ineinander greifen. Ausgangspunkt war auch die Freundschaft mit dem ostdeutschen Künstler A.R. Penck, den Immendorff seit den 1970er-Jahren regelmäßig traf. Die Trennung Deutschlands wurde so nicht abstrakt verhandelt, sondern als persönliche Erfahrung von Nähe und Distanz. Zugleich entwickelte Immendorff eine Bildsprache voller Symbole, Anspielungen und kunsthistorischer Zitate – eine Malerei, die Geschichte nicht illustriert, sondern in Szene setzt.
Immendorff gehörte zu den politisch engagiertesten deutschen Malern seiner Generation und verstand seine Kunst als Einmischung in die Gegenwart. Neben der Malerei entstanden Zeichnungen, Skulpturen und Bühnenarbeiten; auch nach der deutschen Wiedervereinigung blieb die Frage nach Deutschland, seiner Geschichte und seinem Selbstverständnis ein zentrales Thema. Von 1996 bis 2005 lehrte Immendorff an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine eigene Geschichte mit der Akademie – vom Beuys-Schüler zum Professor – macht ihn zu einer besonders markanten Figur innerhalb der Düsseldorfer Lehrer-Schüler-Tradition.