Zum Inhalt springen
Otto Piene
-
* 18. April 1928 in Laasphe; † 17. Juli 2014 in Berlin
-
-
"Was ist ein Bild? Das Bild ist ein Kraftfeld.Was ist die Farbe? Die Farbe ist die Artikulation des Lichts.Was ist das Licht? Das Licht ist die Sphäre alles Lebens."- Otto PieneOtto Piene (*1928 in Laasphe, †2014 in Berlin) zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Nachkriegsavantgarde und zu den prägenden Köpfen der internationalen ZERO-Bewegung. Nach einem Studium an der Kunstakademie München wechselte er 1950 an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er bis 1953 studierte. Gemeinsam mit seinem früheren Kommilitonen Heinz Mack gründete er 1957/58 die Künstlergruppe ZERO; 1961 kam Günther Uecker hinzu. Ausgangspunkt war die Suche nach einem künstlerischen Neubeginn jenseits des Informel und der gestischen Nachkriegsmalerei. Piene wurde damit zu einer zentralen Figur jener Düsseldorfer Kunstszene, die das traditionelle Kunstwerk zugunsten von Licht, Bewegung, Raum und zeitlichen Prozessen öffnete. Von 1968 bis 1994 arbeitete er am Massachusetts Institute of Technology am Center for Advanced Visual Studies, das er ab 1974 als Direktor leitete.Im Zentrum von Pienes Werk steht das Licht als eigenständiges künstlerisches Material. Bereits in den Rasterbildern der späten 1950er Jahre löst er die geschlossene Bildfläche auf und lässt durch perforierte Schablonen Licht und Farbe in rhythmischen Strukturen miteinander reagieren. Ab 1959 entwickelt er seine Feuerbilder und Feuergouachen, bei denen Feuer, Rauch und Ruß unmittelbar in den Entstehungsprozess eingreifen. Das Feuer zerstört dabei nicht einfach, sondern erzeugt neue Formen und lässt die Malerei als offenen, zeitlichen Vorgang sichtbar werden. Mit den Lichtballetten und Lichtplastiken überträgt Piene diese Idee schließlich vom Bild in den Raum: Licht wird projiziert, bewegt sich über Wände und Böden und macht den Betrachter selbst zum Bestandteil des Geschehens. Seine Kunst überschreitet damit bewusst die Grenze zwischen Malerei, Skulptur, Installation und Performance.Diese Öffnung des Kunstwerks führt Piene in seiner Sky Art konsequent in den Außenraum und schließlich in den Himmel selbst. Aufblasbare Plastiken, Lichtprojektionen und groß angelegte Himmelsaktionen machen Luft, Atmosphäre und kosmische Weite zu Bestandteilen seiner Kunst. Der Künstler versteht die Natur dabei nicht als Motiv, sondern als aktiven Partner des künstlerischen Prozesses. Licht, Feuer, Rauch, Wind und Bewegung verändern das Werk fortwährend und entziehen es damit der vollständigen Kontrolle.Kunst ist deshalb immer auch eine Kunst des Übergangs: vom Materiellen zum Immateriellen, vom Bild zum Raum, vom festen Objekt zum zeitlichen Ereignis. Seine zentrale Idee lässt sich dabei in einem Satz verdichten: „Und das Licht ist da und dringt überall hin, und nicht ich male sondern das Licht.“Zitat nach: OTTO PIENE - RAINBOW, 2015, Ausst. Kat., Tehran Museum of Contemporary Art, Düsseldorf 2016, S. 18