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Michael Schmidt
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* 6. Oktober 1945 in Berlin; † 24. Mai 2014 in Berlin
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"Jedes Bild muss eine Erschütterung in sich bergen."- Michael SchmidtMichael Schmidt (*1945 in Berlin; †2014 in Berlin) zählt zu den eigenwilligsten und einflussreichsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit. Der Autodidakt begann 1965 zu fotografieren, zunächst noch neben seiner Tätigkeit als Polizist. Nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst 1973 arbeitete er als freier Fotograf und wandte sich zunehmend eigenen Projekten zu. 1976 gründete er an der Volkshochschule Berlin-Kreuzberg die Werkstatt für Photographie, die zu einem wichtigen Forum für eine neue, subjektive und international ausgerichtete Fotografie wurde. Anders als die nahezu zeitgleich in Düsseldorf entstandene Becher-Schule setzte Schmidt nicht auf distanzierte Systematik, sondern auf eine Fotografie, in der persönliche Erfahrung, gesellschaftliche Wirklichkeit und formale Strenge unmittelbar aufeinandertreffen. Von 1979 bis 1980 lehrte er an der Gesamthochschule Essen – dort war unter anderem Andreas Gursky sein Schüler, der Schmidt später als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnete.Im Zentrum von Schmidts Werk steht die Frage, wie Wirklichkeit durch Fotografie überhaupt erfahrbar wird. Seine frühen Serien über Berlin, insbesondere Berlin-Wedding und Berlin nach 1945, zeigen die Stadt ohne jede touristische Verklärung: Hinterhöfe, Brachen, Straßen, Wohnungen und Menschen erscheinen in einem dichten, oft grauen Gefüge aus sozialen und historischen Erfahrungen. Mit Waffenruhe (1985–1987) löste sich Schmidt zunehmend vom klassischen Dokumentarischen. Ausschnitte, Unschärfen, schwarze Balken und irritierende Perspektiven machen die Begrenztheit des fotografischen Blicks selbst zum Thema. In Ein-heit (1991–1994) überlagert er eigene Aufnahmen mit historischen Fotografien und Dokumenten und untersucht so die deutsche Geschichte zwischen Nationalsozialismus, DDR und Wiedervereinigung. Seine letzte große Werkgruppe Lebensmittel (2006–2010) führte diese Auseinandersetzung in die industrielle Produktion von Nahrung: Erstmals arbeitete Schmidt dabei auch in Farbe. Was seine unterschiedlichen Werkgruppen verbindet, ist kein bestimmter Stil, sondern die Bereitschaft, die eigene fotografische Methode immer wieder infrage zu stellen.Schmidt wurde 1999 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und erhielt 2014, kurz vor seinem Tod, den Prix Pictet für Lebensmittel. 1988 zeigte das Museum of Modern Art in New York seine Serie Waffenruhe; 1996 widmete es Ein-heit als erstem deutschen Fotografen seit mehreren Jahrzehnten eine Einzelausstellung. Seine Wirkung reicht jedoch weit über einzelne Auszeichnungen und Werkgruppen hinaus. Schmidt entwickelte eine Form fotografischer Sachlichkeit, die nie neutral sein wollte: Seine Bilder dokumentieren nicht einfach die Welt, sondern machen spürbar, wie es ist, in ihr zu stehen. Gerade darin liegt seine Bedeutung für die deutsche Fotografie – und seine besondere Nähe wie auch Distanz zur Düsseldorfer Fotoschule.Zitat nach: Michael Schmidt, zitiert von Kolja Reichert in Jedes Bild muss eine Erschütterung in sich bergen, Der Tagesspiegel, 26. Mai 2014; https://koljareichert.de/artikel/jedes-bild-muss-eine-erschuetterung-bergen/ (Abrufdatum: 11.09.2026)