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Jorinde Voigt
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* 19. Januar 1977 in Frankfurt am Main
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"Partituren sind wie meine Arbeiten als konzeptionelle Setzungen im Grund Handlungsanweisungen für die Vorstellungskraft."- Jorinde VoigtJorinde Voigt (*1977 in Frankfurt am Main) zählt zu den international profilierten Positionen der zeitgenössischen Zeichnung. Nach einem Studium der Philosophie, Germanistik und Soziologie studierte sie ab 1999 Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin und wechselte 2001 in die Klasse von Katharina Sieverding, deren Meisterschülerin sie 2004 wurde. Die intensive Auseinandersetzung mit Fotografie, Wahrnehmung und konzeptuellen Bildstrategien prägt ihre künstlerische Entwicklung bis heute. 2008 erhielt Voigt den Otto-Dix-Preis, 2012 den Daniel & Florence Guerlain Contemporary Drawing Prize. Von 2014 bis 2019 war sie Professorin an der Akademie der Bildenden Künste München; seit 2019 lehrt sie konzeptuelle Zeichnung und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Voigt lebt und arbeitet in Berlin.Im Zentrum ihres Werkes steht die Frage, wie sich Wahrnehmung, Bewegung und innere Vorgänge in eine visuelle Sprache übersetzen lassen. Ihre großformatigen Zeichnungen verbinden Linien, Zahlen, Buchstaben, Farbfelder und selbst entwickelte Zeichen zu komplexen Notationen, die naturwissenschaftliche und kulturelle Phänomene ebenso aufnehmen wie Musik, Literatur, Emotionen oder zwischenmenschliche Beziehungen. Voigt bezeichnet diese Arbeiten bewusst als „Partituren“: Sie bilden einen Vorgang nicht einfach ab, sondern geben Strukturen vor, aus denen sich im Kopf des Betrachters neue Vorstellungen entwickeln können. Ordnung und Abweichung, Regel und Intuition, mathematische Präzision und sinnliche Wahrnehmung stehen dabei in einem produktiven Spannungsverhältnis. Die Zeichnung wird so zu einer Art Denk- und Wahrnehmungsmaschine, die das Sichtbare mit dem Imaginären verbindet.In den vergangenen Jahren hat Voigt diese konzeptuelle Praxis zunehmend über die klassische Zeichnung hinaus erweitert. Neben Papierarbeiten entstehen Malereien, Collagen, Skulpturen, Installationen und architektonische Arbeiten, in denen sich ihre Beschäftigung mit Rhythmus, Raum, Körper und Wahrnehmung fortsetzt. Werke wie Ludwig van Beethoven Sonate 1–32 oder Fragments d’un discours amoureux zeigen exemplarisch, wie Voigt musikalische und sprachliche Strukturen in eine eigenständige visuelle Ordnung überführt. Heute interessiert sie sich zunehmend auch für innere Bilder, Emotionen und Vorstellungswelten – für Prozesse also, die sich einer unmittelbaren Darstellung entziehen und erst durch die von ihr entwickelte visuelle Codierung Gestalt annehmen. Gerade darin liegt die besondere Qualität ihrer Arbeiten: Sie machen Komplexität nicht einfacher, sondern geben ihr eine Form, in der sie für den Betrachter erneut erfahrbar wird.Zitat nach: Jorinde Voigt im Gespräch mit Stephanie Dinkla; https://expydoc.com/doc/9404131/de_interview_jorinde-voigt-im-gespraech-mit-stephanie (Abrufdatum: 14.09.2026)