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Thomas Ruff
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* 10. Februar 1958 in Zell am Hamersbach
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"Man muss das Medium, mit dem man arbeitet, immer auch reflektieren."- Thomas RuffThomas Ruff (*1958 in Zell am Harmersbach) studierte von 1977 bis 1985 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd und Hilla Becher und gehört damit zu den zentralen Vertretern der sogenannten Düsseldorfer Fotoschule. Die Begegnung mit den Bechers veränderte seinen Blick auf die Fotografie grundlegend: Aus dem zunächst an klassischen Reise- und Reportagebildern interessierten Amateur wurde ein Künstler, der die Fotografie selbst zum Gegenstand seiner Arbeit machte. Ruff kehrte später an die Akademie zurück und lehrte dort von 2000 bis 2006 als Professor für Fotografie. Damit übernahm er jene Klasse, die durch Bernd und Hilla Becher zu einer der einflussreichsten Ausbildungsstätten für künstlerische Fotografie geworden war. Zu seinen eigenen Schülern zählen unter anderem später international bekannte Fotografen.Im Zentrum von Ruffs Werk steht die Frage nach der Wirklichkeit des fotografischen Bildes. Seine frühen Serien Interieurs, Porträts und Häuser wirken zunächst nüchtern und sachlich, sind jedoch präzise konstruierte Bilder, die jede vermeintliche Objektivität der Fotografie zugleich sichtbar machen. Die monumentalen Porträts zeigen Gesichter frontal und ohne psychologisierende Inszenierung; gerade dadurch wird der Betrachter mit der eigenen Erwartung konfrontiert, aus einem Gesicht etwas über einen Menschen erfahren zu können. In späteren Serien arbeitet Ruff zunehmend mit gefundenen Bildern aus Zeitungen, Archiven und dem Internet, mit digitalen Bearbeitungen, astronomischen Aufnahmen und künstlich erzeugten Bildwelten. Nudes, jpeg, Substrat oder Negative untersuchen jeweils auf andere Weise die technischen Bedingungen, unter denen Bilder entstehen, verbreitet und betrachtet werden. Fotografie ist bei Ruff deshalb nie einfach Abbild, sondern immer auch Konstruktion, Oberfläche und technisches System.Ruffs Werk hat die Möglichkeiten der Fotografie weit über die klassische Kameraaufnahme hinaus erweitert. 1995 vertrat er Deutschland gemeinsam mit Katharina Fritsch und Martin Honert auf der Biennale von Venedig; seine Arbeiten befinden sich heute in bedeutenden internationalen Sammlungen und wurden weltweit ausgestellt. Trotz der enormen technischen und visuellen Bandbreite bleibt seine Arbeitsweise dabei erstaunlich konsequent: Jede neue Serie untersucht einen anderen Zustand des fotografischen Bildes. Was zunächst wie ein Bruch zwischen Porträt, Architektur, Sternenfotografie, Internetbild oder abstraktem Computerdatensatz erscheint, folgt letztlich einer gemeinsamen Frage: Wie viel Wirklichkeit kann ein Bild erzeugen – und wie viel davon entsteht erst in unserem eigenen Blick? Ruff lebt und arbeitet in Düsseldorf.Zitat nach: Thomas Ruff im Gespräch mit Alice Zoo, Granta, 2024. https://granta.com/interview-thomas-ruff/ (Abrufdatum: 11.09.2026)