Zum Inhalt springen
Rebecca Horn
-
* 24. März 1944 in Michelstadt; † 6. September 2024 in Bad König
-
-
"Als Künstler versuchen Sie, nicht zu viel über die Vergangenheit zu sprechen. Stattdessen konzentrieren Sie sich auf die Kontinuität Ihrer Arbeit."- Rebecca HornRebecca Horn (*1944 in Michelstadt, †2024 in Bad König) zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von 1963 bis 1968 studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und setzte ihre Ausbildung 1971 mit einem DAAD-Stipendium an der St. Martin’s School of Art in London fort. In den frühen 1970er Jahren entwickelte sie ihre ersten Körper-Extensionen, mit denen sie die Grenzen des menschlichen Körpers und seine Beziehung zum ihn umgebenden Raum untersuchte. Nach Aufenthalten in New York und einer Lehrtätigkeit am California Institute of the Arts wurde sie 1989 Professorin an der Hochschule der Künste Berlin. Horn erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter 1986 den documenta-Preis, 1992 den Kaiserring der Stadt Goslar und 2010 den Praemium Imperiale. Ihr Werk war in bedeutenden Institutionen wie dem Guggenheim Museum New York, der Tate Gallery London und der Nationalgalerie Berlin zu sehen.Im Zentrum ihres Werkes steht die Erweiterung des Körpers in den Raum. Arbeiten wie Einhorn, Handschuhfinger oder Kopf-Extension verlängern Arme, Finger oder den gesamten Körper durch Stäbe, Federn und textile Konstruktionen und machen dadurch Distanz, Berührung und Bewegung unmittelbar erfahrbar. Der Körper wird zum Instrument, mit dem Raum ertastet und vermessen wird. Aus diesen frühen Performances entwickelt Horn seit den späten 1970er Jahren kinetische Skulpturen, in denen der menschliche Körper zunehmend verschwindet und durch mechanisch bewegte Objekte ersetzt wird. Federn, Hämmer, Fächer, Koffer, Leitern, Musikinstrumente und Spiegel beginnen sich in präzise choreografierten Abläufen zu bewegen. Dabei entsteht etwas eigentümlich Lebendiges: Die Maschinen wirken wie eigenständige Organismen, obwohl ihre Bewegungen technisch exakt gesteuert sind.In ihren späteren Rauminstallationen erweitert Horn diese Idee zu einer poetischen und zugleich immateriellen Raumkunst. Werke wie Das gegenläufige Konzert, Turm der Namenlosen oder Konzert für Buchenwald verbinden Bewegung und Klang mit historischen und gesellschaftlich aufgeladenen Orten. Andere Arbeiten arbeiten mit Spiegelungen, Licht, Wasser oder Musik und erzeugen damit Energiefelder, die sich nicht mehr auf einen einzelnen Gegenstand reduzieren lassen. Die Skulptur wird zum Vorgang, der den Raum verändert und den Betrachter körperlich wie emotional einbezieht. Gerade darin liegt die besondere Qualität von Horns Kunst: Aus präzise konstruierten Materialien entstehen flüchtige Zustände – Spannung, Rhythmus, Erinnerung, Klang und Licht. Die Dinge verlieren dabei ihre ursprüngliche Funktion und werden zu Trägern einer immateriellen Metaphorik ständiger Transformation.Zitat nach: https://hatjecantz.de/pages/kunstler-zitate/ (Abrufdatum: 14.09.2026)