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Thomas Struth
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*11. Oktober 1954 in Geldern
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"Die Mischung aus dem eigenen Blick und dem, was sich vor meinen Augen abspielt, war der Schlüssel zu meiner Kunst."- Thomas StruthThomas Struth (*1954 in Geldern) studierte von 1973 bis 1980 an der Kunstakademie Düsseldorf – zunächst Malerei bei Gerhard Richter, anschließend Fotografie bei Bernd und Hilla Becher. Der Wechsel vom Atelier des Malers in die Fotoklasse wurde für seine künstlerische Entwicklung entscheidend: Struth begann, die Straßen Düsseldorfs zu fotografieren, und entwickelte aus dem scheinbar alltäglichen Stadtraum seine ersten eigenständigen Bildserien. Bei den Bechers gehörte er gemeinsam mit Candida Höfer, Axel Hütte und Tata Ronkholz zu den frühen Studenten der Fotoklasse. Die Zusammenarbeit mit Bernd Becher beschrieb Struth später als ungewöhnlich persönlich und zugleich professionell – eine Verbindung, in der technische Fragen immer mit Überlegungen zu Kunst, Literatur, Politik und Gesellschaft verknüpft wurden. Von 1993 bis 1996 lehrte Struth selbst als Professor für Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.Seine Fotografien kreisen um die Art und Weise, wie Menschen Räume wahrnehmen und sich in ihnen bewegen. Die frühen, menschenleeren Straßenbilder zeigen Städte mit einer fast unheimlichen Klarheit: Architektur wird zum Spiegel gesellschaftlicher Ordnung, ohne dass Struth sie ausdrücklich kommentieren müsste. Später kommen Familienporträts hinzu, in denen sich Nähe, soziale Beziehungen und die gemeinsame Konstruktion eines Bildes verbinden. Besonders bekannt sind seine Museum Photographs: Struth fotografiert Menschen beim Betrachten von Kunstwerken und macht damit aus den Betrachtern selbst das Motiv. Vor den Bildern der Alten Meister entsteht eine zweite Ebene des Sehens – wir beobachten Menschen, die ihrerseits Bilder betrachten. Auch in seinen späteren Arbeiten über Landschaften, technische Anlagen, Kirchen und Forschungszentren bleibt dieses Interesse erhalten: Struth sucht Orte auf, an denen sich menschliche Vorstellungen, gesellschaftliche Systeme und die sichtbare Welt überlagern.Struths Werk hat sich dabei immer wieder neue Themenfelder erschlossen, ohne seinen präzisen, konzentrierten Blick aufzugeben. 1987 erhielt er den ars viva-Preis, 1990 war er auf der Biennale von Venedig vertreten, 1992 nahm er an der documenta 9 teil; 2016 wurde er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters. Seine Fotografien befinden sich heute in bedeutenden internationalen Sammlungen und werden weltweit ausgestellt. Obwohl Struth zu den bekanntesten Vertretern der Düsseldorfer Fotoschule gehört, ist sein Werk weit mehr als eine Fortsetzung der Becher-Tradition. Aus deren sachlicher und serieller Fotografie entwickelte er eine Bildsprache, in der Wahrnehmung selbst zum Thema wird – und in der jedes Bild zugleich zeigt, was vor der Kamera war, und wie wir gelernt haben, es zu betrachten.Zitat nach: https://www.welt.de/wams_print/article2502911/Kritischer-Blick-aufs-Paradies.html (Abrufdatum: 11.09.2026)