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Günter Weseler
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* 2. März 1930 in Allenstein; † 26. September 2020 in Düsseldorf
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"Die Atemobjekte geben mir die Möglichkeit, eine Vielzahl von Erfahrungen und Umweltproblemen künstlerisch zu formulieren."- Günter WeselerGünter Weseler (*1930 in Allenstein, †2020 in Düsseldorf) zählt zu den eigenwilligsten Vertretern der Düsseldorfer Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre. Nach einer Ausbildung zum Hochfrequenz- und Tontechniker studierte er von 1953 bis 1958 Architektur an der Technischen Hochschule Braunschweig und arbeitete anschließend als freischaffender Maler und Bildhauer. Seine Beschäftigung mit Klang und Rhythmus führte 1964 zur ersten Atemmusik, aus der sich ab 1966 die bis heute bekannteste Werkgruppe seiner Atemobjekte entwickelte. Weseler arbeitete dabei weitgehend außerhalb klassischer akademischer Strukturen und wurde insbesondere durch seine internationalen Environments und die Düsseldorfer Kunstszene bekannt. Von 1989 bis 1993 war er Gastprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Hamburg. 2007 erhielt er den Kunstpreis der Künstler der Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf.Im Zentrum seines Werkes steht der Atem als elementarster Ausdruck von Leben. Weseler übersetzte zunächst Atemrhythmen in Musik und entwickelte daraus schließlich mechanisch bewegte Skulpturen, die unter einer Hülle aus Fell scheinbar selbstständig ein- und ausatmen. Er bezeichnete diese Wesen als „New Species“ – neue Arten zwischen Natur und Technik, Objekt und Organismus. Die Bewegung ist dabei bewusst nicht vollkommen kontrolliert: Das langsame Aufblähen und Zusammensinken erzeugt den Eindruck eines eigenen Lebensrhythmus. Gerade weil die Arbeiten weder Tier noch Mensch eindeutig darstellen, wirken sie zugleich vertraut und unheimlich. Das Fell verweist auf einen lebendigen Körper, während die darunterliegende Mechanik seine künstliche Konstruktion offenlegt. Weseler macht damit aus dem klassischen statischen Kunstobjekt einen Körper, der sich im Raum verhält und auf beinahe körperliche Weise präsent wird.Diese eigentümliche Zwischenstellung prägt auch Weselers spätere Arbeiten. Die Atemobjekte wurden zunehmend Teil größerer Environments, in denen sie Räume besetzten, sich an Wände schmiegten oder wie fremdartige Parasiten in vorhandene Situationen eindrangen. In den Spiegelobjekten, den Moosarbeiten und späteren Arbeiten zu Ritual, Spiritualität und Landschaft setzte sich seine Beschäftigung mit dem Verhältnis von künstlicher und natürlicher Wirklichkeit fort. Dabei blieb die Frage nach dem, was ein lebendiger Körper eigentlich ausmacht, zentral. Weseler verschiebt die Grenze zwischen belebt und unbelebt, ohne sie aufzulösen: Seine Skulpturen sind technisch erzeugt und wirken dennoch organisch, sie sind künstlich und vermitteln doch den Eindruck eines eigenen Daseins. Gerade darin liegt ihre besondere Wirkung – sie machen Leben als Bewegung, Rhythmus und zeitlichen Prozess sichtbar und führen die Skulptur damit weit über ihre materielle Oberfläche hinaus.Zitat nach: Günter Weseler, eigener kunsttheoretischer Text zur Werkgruppe; https://www.gunterweseler.com/text/ (Abrufdatum: 14.09.2026)