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Ernst Wilhelm Nay
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* 11. Juni 1902 in Berlin; † 8. April 1968 in Köln
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"Farbe ist für mich Gestaltwert. Ich gebe der Farbe nicht nur den Vorrang anderen bildnerischen Mitteln, sondern das gesamte bildnerische Tun meiner Kunst ist allein von der farbigen Gestaltung her bestimmt."- Ernst Wilhelm NayErnst Wilhelm Nay (*1902 in Berlin, †1968 in Köln) zählt zu den bedeutendsten deutschen Malern der klassischen Moderne und der deutschen Nachkriegskunst. Nach ersten autodidaktischen Versuchen wurde er 1925 in die Malklasse von Karl Hofer an der Hochschule für Bildende Künste Berlin aufgenommen, dessen Meisterschüler er später wurde. Studienaufenthalte in Paris, Rom, an der Ostsee und auf den Lofoten erweiterten seine zunächst gegenständliche Malerei und führten ihn zunehmend zu einer eigenständigen, farbintensiven Bildsprache. 1937 wurde Nay in der Ausstellung „Entartete Kunst“ diffamiert und mit einem Ausstellungsverbot belegt; während des Krieges diente er als Soldat. Nach 1945 entwickelte er in Hofheim im Taunus mit den Hekate- und Fugalen Bildern den entscheidenden Übergang zur Abstraktion. 1951 übersiedelte er nach Köln. Seine Werke waren auf mehreren documenta-Ausstellungen vertreten; 1956 erhielt er den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Nay starb 1968 in seinem Kölner Haus.Im Zentrum seines Werkes steht die Farbe als autonome bildnerische Wirklichkeit. Bereits in den Lofotenbildern wird der Mensch zunehmend in die elementaren Kräfte von Himmel, Meer und Landschaft eingebunden; in den Hekate- und Fugalen Bildern löst sich die Gegenständlichkeit schließlich immer weiter auf. Mit den Scheibenbildern der 1950er-Jahre findet Nay zu seiner wohl bekanntesten Bildsprache: Kreis- und Scheibenformen lagern sich übereinander, überschneiden sich und erzeugen durch ihre Farbkontraste eine vibrierende, scheinbar bewegte Bildfläche. Die einzelnen Formen sind dabei nicht als Gegenstände zu verstehen, sondern als Träger von Farbe und Rhythmus. Das Auge kann Vorder- und Hintergrund nicht eindeutig voneinander trennen; die Fläche beginnt zu schwingen und entwickelt eine eigene räumliche Dynamik. Nay interessiert damit nicht mehr die Darstellung einer sichtbaren Welt, sondern die Frage, wie aus Farbe selbst eine neue Wirklichkeit entstehen kann.Diese Entwicklung führt Nay in seinen Augenbildern und den späten Arbeiten noch konsequenter fort. Die Formen werden größer und elementarer, Farben treten in klar abgegrenzten Feldern gegeneinander an und bilden komplexe rhythmische Systeme. Trotz der zunehmenden Abstraktion bleibt der Mensch als geistiger Bezugspunkt seines Werkes erhalten. Nay verstand Malerei als einen Prozess, in dem Farbe, Form und Rhythmus zu einer übergeordneten „Gestalt“ finden sollten. In seinem Spätwerk entstehen daraus Bilder, die zwischen Ordnung und Bewegung, Konstruktion und Intuition oszillieren. Seine Malerei besitzt deshalb trotz ihrer formalen Strenge eine unmittelbare körperliche Wirkung: Farben scheinen sich zu beschleunigen, zurückzunehmen oder gegeneinander zu stoßen. Gerade darin liegt die besondere Qualität von Nays Werk. Farbe wird bei ihm nicht zur Eigenschaft eines Gegenstandes, sondern selbst zum Ereignis – zu einem autonomen Rhythmus, in dem Wahrnehmung, Bewegung und menschliche Erfahrung zusammenfinden.Zitat nach: Ernst Wilhelm Nay, "Die Gestaltfarbe" (1952), in: Das Kunstwerk, 6. Jahrgang, Heft 2, S. 4; Ernst Wilhelm Nay, Ohne Titel, 1951 · Galerie Ludorff (Abrufdatum: 21.09.2026)