„Kunst ist doch gewissermaßen Lüge. Deshalb kann sie der lebensweltlichen Realität die Wahrheit sagen, ohne in Konkurrenz zu treten. Die Bildwirklichkeit ist eine Wirklichkeit, die Lebenswirklichkeit eine andere, daran sollte es doch keinen Zweifel geben.“
– Karin Kneffel
Karin Kneffel (*1957 in Marl) kam nach einem Studium von Germanistik und Philosophie 1981 an die Kunstakademie Düsseldorf. Dort studierte sie zunächst bei Johannes Brus, später bei Norbert Tadeusz und Gerhard Richter und wurde Richters Meisterschülerin. Bemerkenswert ist, wie deutlich Kneffel selbst die drei unterschiedlichen Lehrer als prägende Impulse benennt: Von Brus nahm sie das „Zusammenzufügen, was nicht zusammengehört“ mit, von Tadeusz das Augenmerk für das Kolorit und von Richter den Anstoß, über Malerei nachzudenken.
Diese drei Linien lassen sich in ihrem Werk wiederfinden. Kneffels Bilder sind hochpräzise und zugleich voller Brüche. Früchte, Tiere, Spiegelungen, Interieurs und Kunstwerke werden so genau gemalt, dass sie beinahe fotografisch erscheinen. Doch die scheinbare Wirklichkeit ist immer konstruiert: Maßstäbe verschieben sich, Motive treffen unvermittelt aufeinander, Spiegelungen eröffnen neue Bildebenen. Hinter der Verführungskraft ihrer Malerei liegt deshalb eine subtile Irritation. Man sieht genau – und beginnt gerade deshalb zu zweifeln.
Kneffel lebt und arbeitet in Düsseldorf. 2016 erhielt sie den Cologne Fine Art Prize für ihr herausragendes künstlerisches Werk.