„Man wollte der hehren Kunst auch ein bisschen ans Bein pinkeln.“
– Markus Oehlen
Markus Oehlen (*1956 in Krefeld) studierte von 1976 bis 1982 an der Kunstakademie Düsseldorf, unter anderem in der Klasse von Alfonso Hüppi, dessen Meisterschüler er wurde. Hüppis Unterricht setzte weniger auf die Vermittlung eines bestimmten Stils als auf die Entwicklung einer eigenen Wahrnehmung und Haltung – eine Offenheit, die Oehlen konsequent für sich nutzte. Gleichzeitig war die Düsseldorfer Musik- und Punkszene der späten 1970er-Jahre ein wichtiger Teil seines Umfelds: Oehlen arbeitete als DJ im Ratinger Hof und war Schlagzeuger der von ihm mitbegründeten Band Mittagspause. Kunst und Musik, Akademie und Subkultur lagen für ihn nicht in getrennten Welten.
In den frühen 1980er-Jahren wurde Oehlen mit den Neuen Wilden bekannt. Seine Malerei entstand aus einer bewussten Lust an der Grenzüberschreitung: Statt edler Materialien kamen Dispersionsfarbe, Wachs, Nessel und später unterschiedlichste textile und industrielle Materialien zum Einsatz. Die frühen Batiken waren dabei durchaus als Provokation gedacht – Oehlen wollte der „hehren Kunst“ etwas entgegensetzen und gerade jene Materialien verwenden, die außerhalb des etablierten Kunstkanons lagen. Aus diesem experimentellen Umgang mit Material entwickelte sich eine immer komplexere Bildsprache. Zeichnung, Fotokopie, Siebdruck, digitale Verfahren, Malerei und Skulptur überlagern sich; nichts muss sich eindeutig einer Gattung zuordnen lassen. Seine Bilder wirken wie offene Versuchsanordnungen, in denen Abstraktion und Figur, Zufall und Konstruktion, analoge und digitale Verfahren aufeinandertreffen.
Oehlens Werk hat sich seit den 1980er-Jahren immer wieder neu erfunden, ohne die Lust am Experiment und an der bewussten Irritation aufzugeben. 1987 erhielt er den Berliner Kunstpreis. Seit 2002 ist Oehlen Professor an der Akademie der Bildenden Künste München. Er lebt und arbeitet in München und zählt heute zu den eigenwilligsten Vertretern einer Generation, die die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur, Musik und Popkultur nachhaltig verschoben hat.
Zitat nach: https://artemak.art/artist/markus-oehlen/interview-mit-markus-oehlen (Abrufdatum: 31.08.2026)