„Das ‚Menschsein‘ und dessen Bedeutung und Verantwortung zu begreifen und zu leben ist die Motivation für meine Arbeit.
Studiert habe ich an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Ich suchte nach Bild- und Bildekräften, nach visuellen Bild- und Bildekräften der Energieflüsse im menschlichen Organismus von der Geburt bis zum Tod. Das ist in der Kunst des ‚erweiterten Kunstbegriffs‘ möglich.
Konzentration für kooperative Entwicklungen in der Zeit-, Sozial- und Kulturgenossenschaft weltweit ist es, was ich erreichen möchte.“
– Katharina Sieverding
Katharina Sieverding (*1941 in Prag) kam 1964 an die Kunstakademie Düsseldorf und studierte zunächst Bühnenbild bei Teo Otto. 1967 wechselte sie in die Klasse von Joseph Beuys und wurde 1972 seine Meisterschülerin. In der Beuys-Klasse erlebte sie eine Akademie, in der Kunst zunehmend als gesellschaftlicher Prozess verstanden wurde. Sieverding dokumentierte die politischen und künstlerischen Ereignisse jener Jahre selbst fotografisch – Fotografie wurde für sie damit früh nicht nur Medium, sondern Instrument der Teilhabe und Beobachtung.
Seit den 1970er-Jahren gehört die großformatige Fotografie zum Kern ihres Werkes. Sieverding arbeitet mit Selbstbildnissen, Überlagerungen, Projektionen und fotografischen Montagen und verbindet persönliche Identität mit Fragen von Macht, Geschlecht und gesellschaftlicher Verantwortung. Ihre Bilder sind keine neutralen Abbilder der Wirklichkeit. Sie greifen in die Wirklichkeit ein und machen sichtbar, dass auch das fotografische Bild immer eine Konstruktion des Blicks ist. Gerade die monumentale Dimension ihrer Arbeiten verleiht ihnen eine öffentliche, beinahe architektonische Präsenz.
Sieverding lebt seit 1964 in Düsseldorf. Sie wurde 2015 Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf und gehört zu den Pionierinnen eines erweiterten Fotografiebegriffs.